Führerschein in Tschechien
Auf die Möglichkeit, den Führerschein in Tschechien zu machen, wurde bereits im Abschnitt „EU Führerschein“ knapp eingegangen. Trotzdem mag der bürokratische Ablauf dem Interessierten noch nicht vollständig klar sein.
Führerschein in Tschechien – Wie läuft das Ganze ab?
- Für den Erwerb seines Führerscheins in Tschechien sucht man sich eine tschechische Fahrschule seines Vertrauens. Am besten eignet sich ein Institut, das Erfahrungen mit Führerscheinanwärtern aus Deutschland hat. Einige tschechische Fahrschulen kooperieren sogar hervorragend mit deutschen Fahrschulunternehmen.
- Nun muss man die behördlichen Formalitäten erledigen, um seinen Wohnsitz in Tschechien zu nehmen. Fahrschulinstitute, die mit deutschen Fahrschulen zusammenarbeiten bieten hierzu in der Regel Hilfe an. Wer die Formalitäten selbst erledigen möchte, geht mit seinem gültigen deutschen Personalausweis oder Reisepass, einem Nachweis über die deutsche Krankenversicherung oder über eine Auslandskrankenversicherung und mit der Geburtsurkunde zu den tschechischen Behörden und meldet dort einen festen Wohnsitz an. Dazu gehört auch, dass man mit der deutschen Geburtsurkunde vorab die Erteilung einer in Tschechien üblichen Geburtsnummer beantragt. Die Gebühren sind zu entrichten. Wie hoch diese sind, erfährt man bei den Behörden bzw. über die jeweilige Fahrschule, die für den Erwerb des Führerscheins in Tschechien auch bei den Formalitäten behilflich ist. Ein Antrag auf Wohnsitznahme eines Nebenwohnsitzes in Tschechien ist sehr genau auszufüllen.
- Um sich für den Erwerb des Führerscheins in Tschechien anmelden zu können, braucht man einen Ausländerausweis, den die tschechischen Behörden ausgestellt haben, sobald man seinen Nebenwohnsitz dort angemeldet hat. Dazu kommt eine medizinische Unbedenklichkeitsbescheinigung durch den Hausarzt, die belegt, dass man zum Führen eines Kraftfahrzeuges uneingeschränkt geeignet ist. Ebenfalls ist die Krankenversicherungskarte oder alternativ die Auslandskrankenversicherungsbescheinigung vorzulegen und die Gebühren für die Fahrschule zu bezahlen, dann kann es schon losgehen.
- Nach Absolvieren der Pflichtstunden, des theoretischen Teils und der erforderlichen Fahrprüfung, muss man exakt einen Zeitraum von 185 Tagen nachweisen können, für den man in Tschechien seinen Wohnsitz inne hat. Erst wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wird der Führerschein in Tschechien erteilt.
Wie teuer wird der Führerschein in Tschechien?
Die Preise für die Fahrschulausbildung und Führerscheinprüfung mögen zusammengerechnet mit 1400,- bis 1500,- Euro noch unter den deutschen Führerscheinpreisen liegen. Allerdings gilt zu bedenken, dass die Kosten für die Wohnsitznahme und für die ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung hinzukommen. Die Gesamtkosten für die tschechischen Formalitäten belaufen sich auf gut 700,- Euro. Unter Umständen kommen noch Kosten für die ärztliche Bescheinigung hinzu, die auch mehrere Hundert Euro betragen können, und schon liegt der Führerscheinanwärter in den Kosten deutlich über den deutschen Sätzen, oder zumindest genauso hoch. Der Führerschein in Tschechien wird also keinesfalls billiger und Geld wird kaum das Argument sein, das dafür spricht, seinen Führerschein in Tschechien zu machen.
Für wen wird der Führerschein in Tschechien interessant?
Wie bereits in der Rubrik „EU Führerschein“ erwähnt, wird die Variante mit dem Führerschein in Tschechien hauptsächlich von denen genutzt, die in Deutschland ihre Fahrerlaubnis aufgrund schwerwiegender Alkohol- oder Drogendelikte verloren haben und sie nur nach Absolvierung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung wiederbekommen können.
Wer die MPU fürchtet, oder dem Urteilsvermögen der Psychologen misstraut, sucht nach Wegen, auch ohne diese berüchtigte Untersuchung seinen Führerschein zurückzubekommen. Für die Möglichkeit, die MPU legal umgehen zu können, ist mancher bereit, gerne jeden bürokratischen Mehraufwand in Kauf zu nehmen und dafür tiefer in die Tasche zu greifen.
Warum kann man nicht einfach ohne Wohnsitz
seinen Führerschein in Tschechien machen?
Diese Maßnahme ist vermutlich eine Reaktion auf den vielfach praktizierten Führerscheintourismus, bei dem Menschen für ein paar Tage nach Tschechien fuhren oder grenzübergreifend ihre Fahrstunden dort absolvierten, um an den Führerschein in Tschechien zu gelangen. Zudem boten tschechische Fahrschulen ihre Dienste oftmals wesentlich billiger an, was zu einer Zunahme des Führerscheintourismus‘ führte. Da gemäß der Europäischen Führerscheinrichtlinie ein in einem EU Mitgliedsland erworbener Führerschein in allen EU Mitgliedsstaaten anerkannt werden muss, hat man zumindest auf tschechischer Seite eine bürokratische Lösung gefunden, wie man den Führerscheintourismus eindämmen kann. Die deutschen Behörden können den Führerschein in Tschechien nicht ablehnen, aber man kann sich mit dem Nachbarland einigen, dass gewisse bürokratische Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor der Anwärter seinen Führerschein in Tschechien erwerben kann. Statt zwei Wochen Intensivkurs in Tschechien heißt es nun ein gutes halbes Jahr Wartezeit, bevor die begehrte Fahrerlaubnis in Empfang genommen werden kann.
Ist es bei dem bürokratischen Aufwand nicht einfacher,
sich doch der MPU zu stellen?
Um diese Frage für sich selbst beantworten zu können, sollte man einen Blick in das MPU-Verfahren werfen. Dazu kommt, dass die MPU nur in Verbindung mit einem Fahrerlaubnisentzug auferlegt wird. Im besten Fall kann sie für ein halbes Jahr entzogen werden, im schlechtesten Fall lebenslang. Das hängt von der Schwere des Deliktes ab. Wer zum ersten Mal im Straßenverkehr alkoholauffällig wird, hat natürlich bessere Chancen als ein Wiederholungstäter. Bereits ab einem Blutalkoholgehalt von 0,3 Promille kann es zum Entzug der Fahrerlaubnis kommen mit einer vom jeweiligen Richter festgesetzten Sperrfrist von mindestens einem halben Jahr oder höher, wenn der Fahrer fahruntüchtig ist. Das bedeutet, selbst bei geringen Mengen Alkohol kann der Führerschein für sechs Monate oder länger entzogen werden. Erst kurz vor Ablauf der Sperrfrist oder bereits in der Sperrfrist, stellt man sich der MPU, um die Voraussetzungen für eine spätere Wiedererteilung überhaupt zu schaffen. Da wundert es nicht, wenn Menschen bereit sind, den horrenden bürokratischen Mehraufwand in Kauf zu nehmen und einen neuen Führerschein in Tschechien zu machen.
So stellt sich die Frage, ob man sich nicht besser der MPU stellt, nur für diejenigen, die maximal ein halbes Jahr auf ihre Fahrerlaubnis verzichten müssen. Lohnt es sich für diese Gruppe, den Führerschein in Tschechien zu erwerben? Immerhin ist die Wartezeit in Tschechien dieselbe. Ist es nicht einfacher und preiswerter, sich der MPU zu stellen? Wer kein krankhaftes Alkoholproblem hat, das sich im medizinischen Untersuchungsteil nachweisen lässt, sollte vor der MPU nicht zurückscheuen. Mit selbstbewusstem, einsichtigem, rationalem Auftreten überzeugt man auch die Psychologen, dass man einen einmaligen Fehler begangen hat, der keine Wiederholungsgefahr bedeutet. Wird man jedoch nur in einem der drei Untersuchungspunkte (Reaktionsvermögen, medizinisch-körperliche Eignung, psychologische Eignung) negativ bewertet, ist man durchgefallen. Und in diesem Fall bietet sich die Variante mit dem Führerschein in Tschechien sehr gut an.